Bad Iburg „Eine Insel voller Schätze“

Bad Iburg ist ein beschauliches Städtchen am Fuße des Teutoburger Waldes. Doch im Gegensatz zu anderen kleinen Orten hat Bad Iburg laut Internet einiges für Touristen zu bieten. Wir waren dort, haben diese Behauptung auf Herz und Nieren geprüft und dabei erfahren, warum es uns „unter den Nägeln brennt“, was Bad Iburg mit Berlin verbindet und warum der Nikolausstiefel eigentlich gefüllt wird …

U(h)riges in jedem Winkel

Meine Tour beginnt im Uhrenmuseum. Schon von außen ist es nicht zu übersehen. An der Fassade hängt die größte Taschenuhr der Welt, die auch im Guinnessbuch der Rekorde steht! Auf der anderen Seite die größte Armbanduhr Deutschlands. Peter Taschenmacher, Inhaber des Uhrenmuseums und leidenschaftlicher Sammler, führt mich durch seine beeindruckende Sammlung. Ein besonderes Stück und, wie Taschenmacher mir verrät, auch seine Lieblingsuhr, ist die Kirchturmuhr von 1688. Sie ist schmiedeeisern und mit Spindelhemmung – das Besondere daran: Es ist die einzige funktionstüchtige Kirchturmuhr seiner Art auf der ganzen Welt. 

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Von Schwarzpulver geweckt

Skurriles findet man im Uhrenmuseum ebenso wie totalen Kitsch. So etwa der erste Wecker aller Zeiten – eine Sonnenuhr von 1800, bei der die Sonnenstrahlen mittags durch ein Brennglas auf das Zündloch einer Kanone fallen und mit Hilfe von Schwarzpulver einen Knall auslösen. Die alten Mechanikgetriebe müssen regelmäßig geölt werden und viele der alten Uhren teilweise täglich aufgezogen, um ihnen das typische Tick-Tack zu entlocken. Insgesamt eine beeindruckende Sammlung, in der man immer wieder neue Sachen entdecken kann.

Von Grafen und Bischöfen

Nach dem Besuch bei Peter Taschenmacher steht eine Besichtigung Bad Iburgs auf dem Plan. Ich treffe mich mit Klaus Nienbecker, Gästeführer in Bad Iburg. Neben dem Schloss, das wir sicherlich auch noch besichtigen, gibt es auch noch andere wichtige Gebäude, wie etwa den Gografenhof, das heutige Rathaus. Der letzte Iburger Gograf Dr. Franz Carl Kramer erbaute um 1790 den Gografenhof außerhalb der Stadtmauern. 

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Unweit vom Rathaus steht eine Statue zu Ehren von Bischof Benno II., dem ersten Bischof des Osnabrücker Landes. Er veranlasste den Bau einer Stiftsburg und des Benediktinerklosters St. Clemens auf den Trümmern der alten Karlsburg. Er begleitete auch den deutschen Kaiser Heinrich IV. bei seinem berühmten Gang nach Canossa im Zugedes Investiturstreits. 

Der gute St. Nikolaus

Unser Weg führt uns durch kleine und verwinkelte Gassen.   Schließlich kommen wir zur Fleckenskirche St. Nikolaus. Sie liegt an einer ehemaligen Handelsstraße, die von Osnabrück nach Münster führte. Ursprünglich romanisch, wurde das Haus Gottes später im gotischen Stil umgebaut. Mittlerweile ist es die älteste gothische Hallenkirche im Osnabrücker Land. Gewidmet wurde diese Kirche Nikolaus von Myra. Der Legende nach habe er drei Frauen vor der Prostitution gerettet. Der Vater konnte seine Töchter mangels Mitgift nicht standesgemäß verheiraten. Als Nikolaus davon hörte, warf er in drei aufeinanderfolgenden Nächten jeweils ein großes Goldstück zum Fenster der Damen und rettete sie somit vor ihrem Schicksal. „Ihm zu Ehren wird am 6. Dezember der „Nikolausstiefel“ für die Kinder befüllt“, erklärt mir Nienbecker.

Spürbare Geschichte

Schließlich kommen wir zur wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit Bad Iburgs: dem Schloss aus dem 11. Jahrhundert. Es diente nicht nur in einem Teil des großen Anwesens als Kloster für Benediktinermönche, sondern war auch Sitz der Osnabrücker Fürstbischöfe und somit Residenz verschiedenster Herren. Ein besonderes Highlight der Burg ist der Rittersaal. In dem Augenblick, in dem man genau in die Mitte des Prunksaals tritt, versteht man, warum: Die Decke ist eine perspektivische Meisterleistung! Italienische Künstler sorgten mit gemalten Säulen, Arkaden und Fenstern für eine architektonische Illusion. Schaut man nach oben, scheint sich der Raum endlos weiter zu erstrecken, in der Mitte wacht Zeus als antike Verkörperung der göttlichen Allmacht. Noch edler wirkt der Raum durch die immensen Mengen an verarbeitetem Blattgold und die Bildergalerie der über 60 Fürstbischöfe an den Wänden. Beim Portraitieren der Geistlichen hat man es mit der Geschichte allerdings nicht so ernst genommen. „Wenn man sich die Bilder genauer anschaut, haben einige Personen untereinander eine verblüffende Ähnlichkeit“, offenbart Nienbecker grinsend. Da die Bilder im 15. Jahrhundert angefertigt wurden, konnten die Maler natürlich nicht wissen, wiedie Bischöfe im 11. Jahrhundert ausgesehen haben. Also mussten einige bodenständige Iburger Pate stehen. 

Unter den Nägeln brennen

Im ganzen Klosterbereich ist leider kaum mehr Inventar geblieben, es wurde alles im Zuge der Säkularisation entwendet. Ursprünglich saßen hier die Mönche und beteten stundenlang. „Um auch in der Dunkelheit ihren „Pflichten“ nachkommen zu können, klebten sie sich Kerzenstummel auf die Fingernägel. Nach einer gewissen Zeit wurde es dann doch ziemlich warm und da sagten sie sich: Wir müssen uns beeilen, mir brennt es unter den Nägeln!“, gibt Nienbecker eine Anekdote zum Besten.

Aller Anfang ist schwer

Nach der Stadt-besichtigung mit Nienbecker treffe ich mich mit Michael Hein, Projektleiter des Ahornweges, am Stadthaus. „Wir wandern jetzt auf dem Ahornweg“, klärt mich Hein auf. Dieser Weg ist insgesamt rund hundert Kilometer lang. Aufgeteilt in sechs Etappen, führt der Weg von Bad Iburg nach Hagen, von dort aus an Georgsmarienhütte vorbei zum Dörenberg und wieder Richtung Bad Iburg. Auf meine Frage, ob man die Strecke auchin eins durchwandern kann, grinst mein Wanderführer nur: „Das könnte man prinzipiell machen, aber spätestens der dritte Tag wird wirklich hart, wenn man so viele Kilometer hinter sich lässt.“ Hein macht mich auf die Zeichen an Laternen und Pfeilern aufmerksam – ein weißes Ahornblatt auf schwarzem Hintergrund. Diese sind extra für Wanderer angebracht, damit sie wissen, wo es langgeht und natürlich auch als Bestätigung, dass sie richtig sind. Schnell sind wir aus der Stadt im Grünen und folgen den Hinweisschildern. Dieser Weg hat insgesamt eher moderate Steigungen, aber manchmal sind auch anspruchsvollere Passagen zu bewältigen. Aber wenn man oben angekommen ist, dann lohnt es sich!“ 

Idylle hoch über den Dächern

Nach einer gefühlten Ewigkeit und nachdem ich mir tausendmal geschworen habe, etwas für meine Fitness zu tun, kommen wir dann doch endlich oben an. Wir laufen auf dem Kammweg. Auf der linken Seite stehen einige Häuser am Hang und auf der rechten Seite ist abschüssiger Wald, der unten in einer Serpentine endet. Schließlich ist klar, was Hein mit der Überraschung meint: Eine kleine Lichtung am Hang mit einer Wellness-Bank. „Wir setzen uns erst mal hin, das haben wir uns verdient.“ Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und dann sehe ich ihn erst, den einmaligen Ausblick über Bad Iburg. So etwas sieht man nicht alle Tage und ist jeden Aufstieg wert! Auch wenn man den ganzen Tag an diesem Fleckchen verbringen könnte, packt mich die Neugier, wie es weitergeht. Der enge, helle Pfad mündet in einen Wald. Es ist, als betrete man eine andere Klimazone – ein wenig dunkler und um einiges kälter.   Man kann seinen Blick schweifen lassen und seinen Gedanken hinterherhängen. Nach einer Weile gehen wir wieder zurück, denn die ganze Etappe bis nach Hagen schaffen wir an diesem Tag nicht mehr. Hein erzählt, wie viel Arbeit so ein Wanderweg mit sich bringt. Er wird regelmäßig abgegangen, ob alles passierbar ist oder etwas freigeschnitten werden muss oder ob Müll dort gelandet ist. Auch die Instandhaltung der Beschilderung und der Markierungen darf nicht außer Acht gelassen werden.

www.badiburg.de

Fazit

Müde, kaputt, aber in einem Stück bringt mich Michael Hein wieder zu unserem Ausgangspunkt. Das Wandern ist wirklich eine Erfahrung wert und es ist bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich auf dem Ahornweg unterwegs war.  Wirklich gut durchdacht und selbst als ungeübter Wanderer macht es Spaß. „Bad Iburg ist wirklich toll, es ist eine Insel voller Schätze, die nur entdeckt werden müssen.“ – wahre Worte, die Michael Hein spricht. Ich kehre noch in eine Gaststätte ein und stärke mich, bevor ich schließlich zuhause mit einer angenehmen Erschöpfung ins Bett falle. Ein wirklich schöner Tag in Bad Iburg! Weitere Informationen bei der Touristinformation. (Am Gografenhof 3 im Stadthaus)